Die neue Tierwohl-Rechnung der Maggie Entenfellner
Maggie Entenfellner hat ihre monatliche Kolumne in der Kronen Zeitung offenbar dazu entdeckt, den Auslandstierschutz unter die Lupe zu nehmen. Das ist grundsätzlich legitim. Weniger überzeugend wird es allerdings, wenn aus einer offenbar recht überschaubaren Recherche gleich ein lukratives Geschäftsmodell wird: Tier von der Straße holen, keine nennenswerten Kosten haben, € 350 kassieren – und schon verdient sich der Tierschutzverein eine goldene Nase.
Wenn Tierschutz tatsächlich so funktionieren würde, müssten sich die Tierschutzvereine ernsthaft fragen, warum sie sich das Leben so schwer machen.
Denn Tiere müssen versorgt, tierärztlich behandelt, geimpft und – je nach Alter und Umständen – kastriert werden. Für einen legalen Grenzübertritt sind außerdem die einschlägigen veterinärrechtlichen Vorgaben einzuhalten; dazu gehört insbesondere der vorgeschriebene Tollwutschutz. Dazu kommen Transporte, Unterbringung und zahlreiche weitere Aufwendungen. Und vor allem: Die Zahl veröffentlichter Inserate ist nicht automatisch die Zahl tatsächlich vermittelter Tiere.
Aber vielleicht stören solche Details einfach eine schöne Kolumne.
Besonders bemerkenswert finden wir die nunmehrige Sorge über angeblich fragwürdige Praktiken im Auslandstierschutz auch deshalb, weil über die Krone-Tierecke selbst bereits ein österreichischer Tierschutzverein unterstützt wurde, der Tiere aus Ungarn nach Österreich bringt und hier vermittelt. Wenn die rechtlichen und tatsächlichen Voraussetzungen dieses Vereins damals nicht näher geprüft wurden, wäre das zumindest ein interessanter Ausgangspunkt für die nächste Kolumne.
Wer über „Machenschaften“ im Tierschutz sprechen möchte, könnte den Blick außerdem einmal näher an die eigene Umgebung richten.
Uns liegt ein aktueller Fall im Zusammenhang mit dem Hundezentrum Stössing Entenfellner / Leonie vor, bei dem ein erkrankter Welpe abgegeben wurde. Die anschließende tierärztliche Behandlung durch Mag. Stefanie Leoni hat Kosten von mehreren tausend Euro verursacht. Nachdem die Käuferin Gewährleistungsansprüche geltend gemacht hat, wird jetzt sogar bestritten, dass der Hund von diesen Züchtern verkauft worden sei.
Das wäre durchaus Stoff für eine Tierkolumne: kranker Welpe, erhebliche Behandlungskosten und anschließend Streit darüber, wer eigentlich Verkäufer war.
Das Hundezentrum Stössing wird vom Bruder von Maggie Entenfellner betrieben; Mag. Stefanie Leoni ist ihre Nichte. Das macht niemanden für das Verhalten eines Familienmitglieds verantwortlich. Es macht die Auswahl der Themen einer Kolumnistin aber durchaus interessant.
Warum also gerade jetzt der pauschale Rundumschlag gegen den Auslandstierschutz?
Wir wissen es nicht. Vielleicht erfahren wir es in einer der nächsten Kolumnen.
Bis dahin gibt es eine wesentlich weniger spektakuläre Erkenntnis: Seriöser Tierschutz kostet Geld – egal, ob das Tier aus Österreich, Ungarn oder einem anderen Land kommt. Wer Missstände aufzeigen will, soll das tun. Aber bitte auf Grundlage sauber recherchierter Tatsachen und mit demselben kritischen Maßstab für alle.
Das wäre dann tatsächlich eine Tierecke im Interesse der Tiere.




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